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Hier ein wenig über das Leben von Elvis (1973) Das vergangene Jahr war aus beruflicher Sicht gut gelaufen. Sein Film
"Elvis On Tour", eine Dokumentation der April - Tournee, war im November in den
Kinos gestartet und hatte neben einem guten Einspielergebnis auch noch die
Nominierung als "Bester Dokumentarfilm Des Jahres" eingebracht. Seine Las -
Vegas - Gastspielreihen brachen noch immer alle Rekorde, die Tournee im November
war vollständig ausverkauft gewesen und die Singles "Burning Love" und
"Always
On My Mind" hatten sich ebenfalls hervorragend verkauft. Aber nicht nur
kommerziell kam Elvis noch immer an, auch die Kritiker lobten ihn. Man begann,
ihn als "Lebende Legende" und "Mythos" zu titulieren und die Öffentlichkeit sah
in ihm scheinbar die fleischgewordene Ikone der Popkultur. Und am 14. Januar
sollte es daran gehen, dieses Image zu zementieren. Mit der "Aloha From Hawaii"
Show sollte das größte Event in der Geschichte des Entertainment über die Bühne
gehen. Das einstündige Fernsehkonzert würde per Satellit nach Ostasien und
Australien live übertragen Nach dem Fernsehevent würde RCA weltweit simultan den Soundtrack veröffentlichen, ebenfalls ein Novum. Elvis hatte schon zum Ende des Vorjahres begonnen, sich körperlich wieder in Form zu bringen. Mit einem Sportprogramm, einer Menge an Appetitzüglern und Entwässerungstabletten und intensiver Bestrahlung der Sonnenbank hatte er es schließlich geschafft. Schlank und braungebrannt sah er besser aus, als auf seinen Autogrammfotos. Nun ging es daran, ein Konzertprogramm zusammenzustellen. Da die letzte Live - LP gerade ein halbes Jahr zurücklag, fielen die meisten Songs der regulären Bühnenshow aus. Man griff daher neben den neuen Liedern des letzten Vegas - Engagements und Highlights der Konzertprogramme der letzen Jahre vor allem auf Countrysongs zurück, die sowohl Elvis, als auch den Musikern geläufig waren, so dass sich auch der Probeaufwand in Grenzen hielt. Am siebten Januar startete auf Hawaii der Vorverkauf und die 6.000 Tickets waren in Windeseile vergriffen. Sofort nachdem die Show ausverkauft war, gab man auch die Karten für die Generalprobe zum Verkauf. Auch dieses Konzert, das für den zwölften Januar angesetzt war, wurde von RCA aufgenommen und von der NBC gefilmt. Wenn etwas mit der Liveübertragung nicht funktionieren würde, wollte man auf diesen Auftritt zurückgreifen. Am neunten Januar traf Elvis auf Hawaii ein und wurde per
Helikopter zum Hilton Hotel geflogen. Die Landung wurde gefilmt und in den
Vorspann der Fernsehshow eingebaut. Elvis probte in den nächsten Tagen die neuen
Songs und absolvierte am 12.01.1973 die Generalprobe. Alles lief bestens und
selbst die schweren, technischen Probleme kurz vor der Liveübertragung der
Hauptshow (durch eine Überlastung der Stromkabel lag ein Brummton über den
Aufnahmen) Schon zwölf Tage nach dem Mega - Event (gemeint ist die Fernsehshow, nicht
der Vorfall auf dem Balkon) begab sich Elvis wieder in die Niederungen der
täglichen Arbeit. Ein weiterer Monat in Las Vegas stand an. In den nächsten vier
Wochen standen 57 Konzerte auf dem Plan. Im Wesentlichen bestand das
Konzertprogramm aus dem Repertoire der Fernsehshow, jedoch verzichtete er auf
die meisten der neuen Songs. Als einzige, wesentliche Neuerung blieb der "Steamroller Blues" im Programm. Elvis selbst zeigte sich, zumindest zu Beginn
der neuen Spielzeit, schlank und bei guter Stimme. Er sang seine Lieder sehr
ernsthaft und bot einen hohen, künstlerischen Standart. Auffällig war jedoch,
mehr als im Vorjahr, wie selten er seine Show variierte. Dieselben Songs, Abend
für Abend, Woche für Woche. Den Zuschauern, die eine, eventuell auch zwei
Konzerte sahen, konnte das egal sein, aber für Elvis schien diese Stimmung
tödlich. Es herrschte Langeweile. Elvis widmete sich mehr und mehr dem Konsum
der verschiedensten Substanzen und da die Tabletten ihre Nach der Closing Show am 23. Februar blieben Elvis und Linda noch in Las Vegas und besuchten zahlreiche Shows. Im März wurde Elvis auch bei einem Karate - Turnier gesichtet. Ansonsten verlebte er die Tage zurückgezogen in Memphis, besuchte nur hin und wieder das örtliche Kino, das er nachts mietete und sich dort die neusten Filme ansah. Für den 22. April war schon die nächste Tour geplant.
Bereits am 04. Mai war er in "Del Webb' s Sahara Tahoe Hotel" am Tahoe -
See gebucht. Bis zum 16.05.1973 waren 26 Konzerte angesetzt. Die Auftrittsreihe
startete chaotisch. Das Hotel hatte zu viele Reservierungen angenommen und
bereits am ersten Tag fanden sich mehr als 200 Leute, die man trotz gültigen
Tickets nicht in den Saal ließ. Die wütenden Fans demontierten Promo - Material,
und drohten dem Hotel lautstark mit Klage. Die Reaktionen derjenigen, die
schließlich Einlass fanden, waren geteilt. Ein Großteil der Konzerte war in
Ordnung, aber es war recht offensichtlich, dass der Star seine Energie auf der
vorherigen Tournee verbraucht hatte. Die Presse bezeichnete ihn als blass und
übergewichtig und schrieb außerdem, die Auftritte wirkten - trotz
gelegentlicher Am 29. Mai bekam Elvis noch andere Unannehmlichkeiten, die aber vielmehr seinen Anwälten, als ihm selbst Sorgen bereiteten. Priscilla forderte mehr Geld. Vor Monaten hatte sie einer Einmalzahlung von 1.000.000 Dollar, sowie einer monatlichen Zahlung von 1.500 Dollar zugestimmt. Doch jetzt war ihr klargeworden, dass Elvis' Anwälte sie über den Tisch gezogen hatten. Für einen Mann mit dem Verdienst eines Elvis Presley, waren diese Summen lächerlich gering. Jetzt forderte sie beinahe 15.000 Dollar pro Monat. Die Anwälte beider Seiten gingen in die zweite Runde...
Bedingt durch die Krankheit von Elvis' Plattenproduzent
Felton Jarvis hatte dessen "Vertretung", Joan Deary, ein Album zusammengestellt
und entsprechende Infos zu den Schallplattenläden gegeben. Die LP sollte Songs
vom März 1972, sowie eine Liveaufnahme aus dem Madison Square Garden Konzert vom
10.07.1972 und die zusätzlich angefertigten Aufnahmen der "Aloha From Hawaii"
Show beinhalten. Am Tag nach Bekanntgabe des Inhaltes war Felton Jarvis zurück
und änderte sämtliche Pläne. Alle von Joan Deary geplanten Livesongs
wurden Elvis wirkte aufgequollen, blass und vor allem desinteressiert. Er war, wie in den letzen Jahren nur allzu oft, unvorbereitet und wartete auf die Dinge, die da kommen würden. Leider kam nicht allzu viel, denn die Lieder, die man ihm vorlegte, fanden nicht gerade seine Zustimmung - von Begeisterung nicht zu sprechen. Auch das Studio entsprach nicht seinen Bedürfnissen, da es sich nicht für Liveaufnahmen eignete. Das Equipment war völlig veraltet und konnte mit den modernen Studios von "RCA Victor" nicht im geringsten mithalten. In den folgenden Tagen verspätete sich Elvis von Mal zu Mal mehr und tauchte irgendwann schlicht nicht mehr auf. Nur acht Lieder waren aufgenommen worden und selbst die waren nicht gerade Weltklasse. Elvis war oft stoned, sprach undeutlich und sang schlecht. Als Colonel Parker von den Aufnahmen erfuhr, rief er wutentbrannt bei Elvis an, um diesen schlicht und ergreifend zusammenzuscheißen und ihm die Auswirkungen seines Verhaltens klarzumachen. Danach versicherte er "RCA Victor" hoch und heilig, Elvis werde die Aufnahmen noch im September nachholen, so dass der November - Termin für die nächste LP gehalten werden könne. Elvis selbst zog sich wieder hinter die Mauern von Graceland zurück und flog zum Monatsende nach Las Vegas, um für das nächste "Elvis Summer Festival" zu proben. Motiviert war er nicht gerade. Vor ihm lag ein weiterer, langweiliger Monat in Las Vegas. In
der Zeit vom 06. August bis zum 03. September lagen 58 Shows vor ihm und danach
stand seine Scheidung auf dem Programm. Alles in Allem keine berauschende
Aussicht. Elvis versuchte sich bei den Proben zum neuen Engagement an vielen,
neuen Songs, endete aber immer wieder beim alten Programm. Zur Opening Night
hatte das "Also Sprach Zarathustra" - Intro einen jazzigen Touch und neben den
üblichen Liedern dieser Zeit sang er "My Boy", "Memphis Tennessee" und ein
Medley aus seinem 1958'er Klassiker "Trouble" und seiner neuen Single "Raised On
Rock". Der Star selbst bot am Eröffnungsabend allerdings kein besonders
positives Für die Fans war es unterhaltsam, die Las Vegas Touristen, die nur mal einen Blick auf die Legende werfen wollten, ließen sich ihr Eintrittsgeld zurückerstatten. Sie wollten einen Elvis sehen, der in seinen berühmten Glitzerkostümen auf der Bühne steht und seine großen Hits singt. Stattdessen wurde Elvis (mit einem Stoffaffen auf der Schulter) von Lamar Fike auf die Bühne getragen, begoss Musiker und Publikum mit Wasser und kritisierte auf der Bühne die Personalpolitik des Hotels. Parker war außer sich. Sofort nach der Show stürmte er in Elvis' Garderobe und minutenlang war Geschrei zu hören. Allerdings nur das vom Colonel, der wenig später wutentbrannt aus dem Raum raste und die Türen knallte. Elvis folgte wenig später, mit gesenktem Kopf. Später, in seiner Hotelsuite, feuerte Elvis den Colonel und erklärte, er werde noch am selben Tage eine Pressekonferenz abhalten. Parker kündigte seinerseits die Geschäftsbeziehung und kündigte ebenfalls eine Pressekonferenz an. Zuerst aber listete er seine Forderungen gegenüber Elvis auf. Für das Aushandeln des neuen Vertrages mit dem Hilton Hotel (nach dem Elvis in den Jahren 1974 und 1975 für ca. 160.000 Dollar je Woche zwei Gastspielreihen a' 2 Wochen abhalten würde) und der Planung der nächsten Tourneen, sowie den Vorbereitungen für weitere Schallplattenaufnahmen stellte Parker Forderungen, die in die Millionen gingen. Das Papier ließ er dem stets sparsamen und ängstlichen Vernon Presley, Elvis' Vater und Finanzmanager, vorlegen. Nachdem Vater und Sohn das Papier durchgesehen und sich die Gemüter beruhigt hatten, verzichtete man auf die Entlassung Parkers. Der Colonel hatte gewonnen. Elvis zog sich zurück. Am Tag seiner Scheidung verließen er und Priscilla das Gerichtsgebäude händchenhaltend und boten das Bild zweier, enger Vertrauter. Man lächelte für die Presse und jeder stieg in seine Limousine und fuhr davon. Aber das waren nur Äußerlichkeiten. Elvis war am Boden zerstört. In seinem Haus in Kalifornien nahm er weitere Songs auf, um die neue LP fertigzustellen. Statt der geplanten Lieder, sang Elvis allerdings Balladen, die ein Sänger seiner neuen Gruppe "Voice" geschrieben hatte. Da es zu diesen Songs keine vorgefertigten Musikspuren gab, fiel die Instrumentierung mit Gitarre und Klavier sehr spärlich aus. Parker war außer sich und warf Elvis vor, die Schallplatte zu ruinieren. Aufgrund des gesetzten Veröffentlichungstermins seien nachträgliche Overdubbs nicht möglich - die Aufnahmen mussten im Rohzustand veröffentlicht werden. Elvis schien es nicht zu interessieren. Der Star schien sich aufgegeben zu haben. Er begann, wahllos Medikamente in sich hineinzustopfen und kollabierte schließlich. Im Krankenhaus stellte man fest, dass der Entertainer bereits seit längerem mit Hormonen, Schmerzmitteln und diversen, anderen Substanzen behandelt worden war. Im Baptist Memorial Hospital machten die Ärzte dem Star klar, dass er ein Abhängiger war. Zwar leugnete Elvis jedes Wissen über das Zustandekommen seines desolaten Zustandes, aber niemand glaubte ihm wirklich. Auch Dr. Nichopolus gab den Gedanken auf, man könne Elvis völlig von den Medikamenten fernhalten. Und so rationierte er die Portionen und setzte seinen Patienten auf eine leichte Mischung aus Schlaf-, Schmerz- und Beruhigungsmitteln. Auch die Muntermacher, die Elvis einnahm, um den übrigen Mitteln entgegenzuwirken, wurden rationiert. Die übliche Herbst - Tournee gab es diesmal nicht. Stattdessen zog sich Elvis nach Graceland zurück, um sich zu erholen. Währendessen verriss die Presse die neue LP und die dazugehörige Single total. Die allgemeine Feststellung war, dass der künstlerische Misserfolg allein Elvis' schwacher Interpretation, und nicht dem Liedmaterial zuzuschreiben war.
Auch kommerziell lief es nicht gut. Nicht einmal unter die ersten vierzig
schaffte es die LP und die Verkaufszahlen lagen weit hinter den Erwartungen.
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